01 August, 2026
Bookclub Nachlese zu "Blaues Wunder" von Anne Freytag
01 August, 2026
Danke, dass so viele bei sommerlichen Temperaturen mit uns Eis gegessen und so inspirierend, lebendig und vielschichtig über unser Monatsbuch „Blaues Wunder“ von Anne Freytag diskutiert haben – es war grandios!
Und Blaues Wunder hat uns viel Gesprächsstoff geliefert und insgesamt auch richtig gut gefallen, wie unser Abstimmungsergebnis am Ende auch gezeigt hat.
Sieben Menschen auf einer luxuriösen Yacht: Rachel und Walter Bronstein, Nora und Ferdinand, Franziska und Kilian sowie Rachels Sohn David. Was wie ein exklusiver Urlaub beginnt, entwickelt sich schnell zu einem psychologischen Kammerspiel. Walter hat mit Ferdinand und Kilian zwei Männer an Bord, die beruflich von ihm abhängig sind und um seine Anerkennung konkurrieren. Er verteilt Privilegien, schürt Erwartungen und spielt die Menschen um sich herum gegeneinander aus.
Besonders spannend fanden wir, dass Anne Freytag die Geschichte aus den Perspektiven der drei Frauen erzählt. Rachel, Nora und Franziska beobachten und beurteilen einander und nach und nach entsteht trotz aller Unterschiede eine ganz eigene Solidarität zwischen ihnen.
Dabei sind die Frauen keineswegs nur Opfer ihrer Ehemänner. Alle haben sich in ihren Ehen eingerichtet, spielen eine bestimmte Rolle und profitieren auf ihre Weise von dem Leben, das diese Beziehungen ihnen ermöglichen. Dafür haben sie lange einiges in Kauf genommen. Darüber haben wir intensiv diskutiert.
Auch über David haben wir länger gesprochen. Zwischendurch stellte sich durchaus die Frage, welche Rolle er in dieser „Versuchsanordnung“ eigentlich spielt. Am Ende wurde aber deutlich, wie wichtig er gerade für die Entwicklung der anderen Figuren ist. David bringt etwas ins Wanken, stößt Veränderungen an und wirkt damit fast wie ein Katalysator für das, was auf der Yacht passiert.
Von einer Bookclub-Teilnehmerin kam dazu noch folgender Hinweis: David begegnet uns bei Anne Freytag nämlich nicht zum ersten Mal. Er tauchte bereits in ihrem früheren Jugendroman „Mein Leben basiert auf einer wahren Geschichte“ auf.
Und natürlich haben wir auch über Rachel gesprochen. Dass in ihrem Namen ausgerechnet „Rache“ steckt, passt erstaunlich gut zu ihrer Figur und zur Entwicklung der Geschichte und war so von Anne Freytag eigentlich nur zufällig ausgewählt, wie sie bei ihrer Lesung erzählte. Im Laufe der Reise verschieben sich die Kräfteverhältnisse immer stärker. Die Figuren entwickeln sich und am Ende verlässt eigentlich niemand die Yacht so, wie er oder sie sie betreten hat.
Besonders war dann auch noch das Kapitel nach Walters Tod, das passenderweise „Ohne Worte“ heißt. Genau die braucht es zwischen Rachel, Nora und Franziska auch nicht mehr. Blicke genügen, um die drei Frauen in diesem entscheidenden Moment zusammenzuschweißen.
Insgesamt hat uns Blaues Wunder sehr gut gefallen und das zeigt auch unser Abstimmungsergebnis. Ein Buch, bei dem wir über die Figuren, ihre Abhängigkeiten, ihre Entscheidungen und vor allem ihre Veränderungen noch lange hätten weiterdiskutieren können.
Am Ende stimmen wir über unser Monatsbuch ab. Hier seht ihr das gestrige Ergebnis der Teilnehmenden vor Ort. Wenn ihr das Buch ebenfalls gelesen habt und abstimmen möchtet, könnt ihr das hier tun: Zur Abstimmung